Welche Daten brauche ich wirklich um meine Prozesse zu verstehen?

Lisa Pauli ·
Digitales Multimeter und Industriesensoren auf weißer Fläche, Datenkabel in geometrischen Linien, beleuchtetes Messgerät in Grau und Amber.

Um Ihre Prozesse wirklich zu verstehen, brauchen Sie keine riesige Datenmenge, sondern die richtigen Daten zur richtigen Zeit. Relevant sind vor allem Messwerte, die direkt an den kritischen Punkten Ihrer Abläufe entstehen: Durchsatz, Verbrauch, Taktzeiten, Qualitätsparameter und Energieflüsse. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das oft, bestehende Datenquellen gezielt zu ergänzen, statt alles neu aufzubauen. Die folgenden Fragen helfen Ihnen, Schritt für Schritt ein belastbares Prozessverständnis aufzubauen.

Welche Daten liefern wirklich Einblick in Prozessabläufe?

Echten Einblick in Prozessabläufe liefern Daten, die Ursache und Wirkung direkt abbilden: Betriebszustände von Maschinen und Anlagen, Durchlaufzeiten, Ausschussquoten, Energieverbräuche je Produktionsschritt sowie Umgebungsparameter wie Temperatur oder Druck. Diese Prozessdaten machen sichtbar, wo Abläufe stocken, Ressourcen verschwendet werden oder Qualitätsprobleme entstehen.

Wichtig ist dabei die zeitliche Auflösung. Daten, die nur täglich oder stündlich aggregiert vorliegen, verbergen oft genau die Schwankungen, die Probleme verursachen. Minutengenaue oder sekündliche Messwerte zeigen hingegen, ob eine Anlage im Normalbetrieb läuft oder ob kurze Ausreißer systematisch auftreten. Für ein vollständiges Prozessbild brauchen Sie außerdem den Kontext: Welche Schicht war aktiv? Welches Produkt wurde gefertigt? Welche Außentemperatur herrschte? Erst die Kombination aus Messwert und Kontext macht Daten zu echtem Wissen.

Warum reichen vorhandene ERP- und SCADA-Daten oft nicht aus?

ERP- und SCADA-Systeme erfassen jeweils nur einen Ausschnitt der betrieblichen Realität. ERP-Systeme sind auf kaufmännische Prozesse ausgerichtet und bilden physische Abläufe meist nur indirekt ab. SCADA-Systeme erfassen Maschinenzustände, aber selten den energetischen oder wirtschaftlichen Kontext dahinter. Beide Systeme zusammen decken die Lücke zwischen Prozessebene und Managementebene oft nicht vollständig ab.

Ein weiteres Problem ist die fehlende Verknüpfung. Betriebsdaten aus der Produktion und kaufmännische Kennzahlen aus dem ERP existieren häufig in getrennten Silos. Wer wissen will, wie viel Energie ein bestimmter Auftrag tatsächlich verbraucht hat oder welche Maschine bei welchem Produkt die höchsten Kosten verursacht, findet die Antwort in keinem der beiden Systeme allein. Datentransparenz entsteht erst, wenn diese Quellen zusammengeführt und mit zusätzlichen Messpunkten ergänzt werden.

Wie viele Messpunkte brauche ich für ein aussagekräftiges Prozessbild?

Die Anzahl der Messpunkte hängt von der Komplexität Ihrer Anlage und dem Detailgrad ab, den Sie benötigen. Als Orientierung gilt: Messen Sie überall dort, wo Entscheidungen getroffen werden, Kosten entstehen oder Qualität beeinflusst wird. Das sind typischerweise Hauptverbraucher, Übergabepunkte zwischen Prozessschritten und kritische Maschinen oder Aggregate.

Viele Unternehmen starten mit zu wenigen Messpunkten und erhalten ein unvollständiges Bild, oder sie installieren zu viele und verlieren sich in der Datenmenge. Ein pragmatischer Ansatz ist es, mit den größten Energieverbrauchern und den häufigsten Störquellen zu beginnen. Wenn diese Messpunkte ein klares Muster zeigen, lässt sich das Messnetz gezielt erweitern. Wichtiger als die reine Anzahl ist die strategische Platzierung: Ein einziger Messpunkt an der richtigen Stelle kann mehr Aufschluss geben als zehn an wenig relevanten Positionen.

Was ist der Unterschied zwischen Prozessdaten und Energiedaten?

Prozessdaten beschreiben den Ablauf und Zustand einer Produktion oder Anlage: Taktzeiten, Maschinenlaufzeiten, Ausschussraten, Temperaturen im Fertigungsprozess. Energiedaten messen den Ressourcenverbrauch: Strom, Wärme, Druckluft, Gas. Beide Datenkategorien sind verwandt, aber nicht identisch, und sie beantworten unterschiedliche Fragen.

Prozessdaten sagen Ihnen, was passiert. Energiedaten sagen Ihnen, was es kostet. Erst wenn Sie beide Dimensionen zusammenführen, erkennen Sie, welcher Prozessschritt unverhältnismäßig viel Energie verbraucht, welche Anlage im Leerlauf Strom zieht oder wo eine Prozessoptimierung gleichzeitig die Energiekosten senkt. Energieeffizienz ist damit keine separate Aufgabe, sondern eine natürliche Folge gut verstandener Prozesse. Wer nur Energiedaten betrachtet, optimiert Kosten. Wer Prozess- und Energiedaten gemeinsam auswertet, optimiert das gesamte System.

Wann lohnt sich der Einsatz von KI zur Prozessdatenauswertung?

KI zur Prozessdatenauswertung lohnt sich, wenn die Datenmenge und Komplexität manuell nicht mehr beherrschbar sind, wenn Muster in den Daten zu subtil für klassische Regelwerke sind oder wenn Sie vorausschauend statt reaktiv handeln wollen. Für mittelständische Unternehmen ist der Einsatz von KI dann sinnvoll, wenn bereits eine solide Datenbasis vorhanden ist.

Ohne ausreichende Datenqualität und -menge liefert auch der beste Algorithmus keine verlässlichen Ergebnisse. KI braucht historische Daten, um Muster zu erkennen, und aktuelle Messwerte, um Vorhersagen zu treffen. Ein Beispiel aus der Praxis: Prädiktive Regelung kombiniert Echtzeitdaten wie Wetterdaten oder aktuelle Produktionsmengen mit einem Simulationsmodell, das alle 15 Minuten aktualisiert wird. So lassen sich Energieflüsse kontinuierlich anpassen, bevor Abweichungen zu Kosten oder Qualitätsproblemen führen. Wer noch keine strukturierte Datenerfassung betreibt, sollte dort beginnen, bevor er in KI-Lösungen investiert.

Wie startet ein mittelständisches Unternehmen mit der Prozessdatenerfassung?

Mittelständische Unternehmen starten am besten mit einer Bestandsaufnahme: Welche Daten werden bereits erfasst, wo liegen sie, und wie zugänglich sind sie? Darauf aufbauend lassen sich Lücken identifizieren und priorisieren. Ein schrittweiser Einstieg ist realistischer und nachhaltiger als ein umfassendes Digitalisierungsprojekt auf einmal.

Konkret empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Bestandsaufnahme: Vorhandene Datenquellen (ERP, SCADA, Zähler, Sensoren) inventarisieren und auf Vollständigkeit prüfen.
  • Schwerpunkte setzen: Die drei bis fünf Prozessschritte oder Anlagen identifizieren, die den größten Einfluss auf Kosten, Qualität oder Durchsatz haben.
  • Messtechnik ergänzen: Fehlende Messpunkte gezielt nachrüsten, vorzugsweise mit Lösungen, die sich ohne großen Installationsaufwand integrieren lassen.
  • Daten zusammenführen: Eine gemeinsame Datenbasis schaffen, in der Prozess- und Energiedaten verknüpft und visualisiert werden.
  • Auswerten und handeln: Regelmäßige Auswertung der Betriebsdaten einführen und Erkenntnisse direkt in Prozessverbesserungen überführen.

Wichtig ist, dass Prozessdatenerfassung kein einmaliges Projekt ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Die ersten Auswertungen zeigen oft schnell, wo die größten Hebel liegen, und motivieren dazu, das Messnetz schrittweise auszubauen.

Wie manageE bei der Prozessdatenerfassung und -auswertung unterstützt

Wir begleiten mittelständische Unternehmen von der ersten Bestandsaufnahme bis zur laufenden Auswertung ihrer Betriebsdaten. Unser Ansatz verbindet Prozessoptimierung und Energieeffizienz, weil wir wissen, dass beides zusammengehört. Über unsere Energie- und Effizienzlösungen bieten wir konkrete Unterstützung in folgenden Bereichen:

  • Analyse vorhandener Datenquellen und Identifikation relevanter Messpunkte in Ihrer Anlage
  • Installation eigener Messtechnik, die ohne großen Aufwand in bestehende Strukturen integriert werden kann und beim BAFA als förderfähig gelistet ist
  • Zusammenführung von Prozess- und Energiedaten in einer gemeinsamen Datenbasis für echte Transparenz
  • Einsatz prädiktiver Regelung, die Echtzeitdaten alle 15 Minuten verarbeitet und Energieflüsse automatisch optimiert
  • Ganzheitliche Begleitung: von der Konzeption über die Umsetzung bis zur kontinuierlichen Optimierung

Wenn Sie wissen möchten, welche Daten in Ihrem Unternehmen bereits vorhanden sind und wo die größten Optimierungspotenziale liegen, sprechen Sie uns an. Ein erstes Beratungsgespräch hilft Ihnen, Klarheit zu gewinnen, ohne dass Sie sofort in ein großes Projekt einsteigen müssen.

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