Warum bleiben Produktionsdaten in vielen Betrieben ungenutzt?

Lisa Pauli ·
Industrieller Sensor an Metallrohr mit Datenkabeln auf Betonboden, weiches Fabrikhallenlicht, Stahltöne und Bernsteinakzente.

Produktionsdaten bleiben in vielen Betrieben ungenutzt, weil sie zwar erfasst, aber nicht systematisch ausgewertet werden. Maschinen, Steuerungen und Sensoren liefern täglich große Mengen an Messwerten, doch ohne die passende Infrastruktur und klare Prozesse landen diese Daten in isolierten Systemen oder werden schlicht nicht weiterverarbeitet. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema: von den Ursachen über die Kosten bis hin zu konkreten Lösungsansätzen.

Welche Produktionsdaten fallen in einem typischen Betrieb täglich an?

In einem typischen Produktionsbetrieb entstehen täglich Daten aus Maschinensteuerungen, Sensoren, Qualitätsprüfungen, Energiezählern, Logistiksystemen und manuellen Rückmeldungen. Diese Daten dokumentieren Betriebszustände, Durchlaufzeiten, Ausschussquoten, Energieverbräuche und Wartungsereignisse. Die Menge ist erheblich: Selbst mittelständische Betriebe erzeugen pro Schicht tausende Messpunkte.

Konkret lassen sich die anfallenden Produktionsdaten in mehrere Kategorien einteilen:

  • Maschinendaten: Laufzeiten, Stillstandszeiten, Taktzeiten, Fehlercodes und Betriebszustände einzelner Anlagen
  • Energiedaten: Strom-, Wärme- und Druckluftverbräuche auf Anlagen- oder Bereichsebene
  • Qualitätsdaten: Messwerte aus Prüfstationen, Ausschussraten, Nacharbeitsquoten
  • Prozessdaten: Temperaturen, Drücke, Durchflussmengen und andere physikalische Größen aus dem laufenden Prozess
  • Logistik- und Auftragsdaten: Rüstzeiten, Losgrößen, Liefertermine und Materialflüsse

Das Problem ist nicht der Mangel an Daten, sondern deren Verteilung. Jede Anlage, jedes System und oft jede Abteilung speichert Daten in einem eigenen Format oder einer eigenen Datenbank. Was fehlt, ist die Verbindung zwischen diesen Quellen, um ein vollständiges Bild des Betriebs zu erhalten.

Warum werden so viele Produktionsdaten nicht ausgewertet?

Die häufigste Ursache dafür, dass Produktionsdaten nicht ausgewertet werden, sind fehlende Schnittstellen zwischen Systemen, unklare Verantwortlichkeiten und der Mangel an geeigneten Werkzeugen zur Analyse. Hinzu kommt, dass viele Betriebe zwar Daten erfassen, aber keine definierten Prozesse haben, um daraus handlungsrelevante Erkenntnisse zu gewinnen.

Im Einzelnen spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Heterogene Systemlandschaften: Ältere Maschinen kommunizieren nicht mit neueren Systemen. Verschiedene Hersteller nutzen unterschiedliche Protokolle, was eine einheitliche Auswertung erschwert.
  • Fehlende Ressourcen: Kleine und mittlere Unternehmen haben selten eigene Datenanalysten. Die Auswertung bleibt liegen, weil niemand explizit dafür zuständig ist.
  • Unklare Zielsetzung: Ohne konkrete Fragestellungen weiß niemand, welche Daten relevant sind und welche nicht. Daten werden gesammelt, aber nicht mit einem Ziel verknüpft.
  • Vertrauen in Erfahrungswissen: In vielen Betrieben verlassen sich erfahrene Mitarbeiter auf ihr Gespür statt auf Daten. Das funktioniert kurzfristig, verhindert aber systematische Verbesserungen.
  • Technische Hürden bei der Datenaufbereitung: Rohdaten aus Steuerungen sind oft nicht direkt lesbar oder interpretierbar. Ohne Aufbereitung sind sie für operative Entscheidungen kaum nutzbar.

Was kostet es, wenn Produktionsdaten ungenutzt bleiben?

Ungenutzte Produktionsdaten verursachen direkte und indirekte Kosten: Ineffizienzen bleiben unentdeckt, Wartungsbedarfe werden zu spät erkannt, und Energieverschwendung setzt sich unbemerkt fort. Für mittelständische Betriebe summieren sich diese versteckten Verluste über Monate und Jahre zu erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen.

Die Kostentreiber lassen sich konkret benennen:

  • Ungeplante Stillstände: Wer Maschinendaten nicht auswertet, erkennt Verschleißmuster nicht rechtzeitig. Ungeplante Ausfälle sind teurer als geplante Wartungen.
  • Überhöhte Energiekosten: Ohne Transparenz über Verbrauchsprofile laufen Anlagen oft außerhalb optimaler Betriebspunkte. Energieverschwendung bleibt unsichtbar und damit unkontrolliert.
  • Qualitätsverluste: Prozessabweichungen, die in den Daten sichtbar wären, führen zu Ausschuss und Nacharbeit, wenn niemand die Messwerte beobachtet.
  • Verpasste Optimierungspotenziale: Engpässe im Produktionsablauf, die sich aus Durchlaufzeitanalysen ergeben würden, bleiben bestehen und bremsen die Gesamtleistung.
  • Wettbewerbsnachteile: Unternehmen, die ihre Daten aktiv nutzen, optimieren kontinuierlich. Wer das nicht tut, verliert langfristig an Produktivität und Reaktionsfähigkeit.

Wie lassen sich Datensilos in der Produktion aufbrechen?

Datensilos in der Produktion lassen sich aufbrechen, indem Systeme über standardisierte Schnittstellen verbunden, Daten in einer zentralen Plattform zusammengeführt und klare Verantwortlichkeiten für die Datennutzung definiert werden. Der erste Schritt ist nicht Technologie, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme der vorhandenen Datenquellen und ihrer Verbindungen.

Ein pragmatischer Ansatz folgt diesen Schritten:

  1. Datenquellen inventarisieren: Welche Systeme erfassen welche Daten? Wo liegen diese Daten, und in welchem Format?
  2. Prioritäten setzen: Nicht alle Daten sind gleich wertvoll. Beginnen Sie mit den Bereichen, in denen Transparenz den größten Hebel hat, zum Beispiel Energieverbrauch oder Anlagenverfügbarkeit.
  3. Schnittstellen schaffen: Moderne Gateways und Middleware-Lösungen ermöglichen es, auch ältere Maschinen in eine übergeordnete Datenstruktur einzubinden, ohne die Anlagen selbst zu ersetzen.
  4. Daten visualisieren: Dashboards und Berichte machen Daten für operative Entscheidungen nutzbar. Wichtig ist, dass die Darstellung auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten ist, ob Schichtleiter, Betriebsleiter oder Geschäftsführung.
  5. Prozesse anpassen: Daten allein verändern nichts. Es braucht klare Prozesse, die festlegen, wer auf welche Daten reagiert und wie.

Welche Rolle spielt KI bei der Nutzung von Produktionsdaten?

KI hilft dabei, aus großen Mengen an Produktionsdaten Muster zu erkennen, die für Menschen nicht unmittelbar sichtbar sind. Sie ermöglicht vorausschauende Wartung, automatische Anomalieerkennung und die kontinuierliche Optimierung von Prozessparametern, ohne dass jede Entscheidung manuell getroffen werden muss.

Konkret eröffnet der Einsatz von KI in der Produktion mehrere Möglichkeiten:

  • Predictive Maintenance: Algorithmen erkennen anhand von Vibrations-, Temperatur- und Laufzeitdaten, wann eine Anlage wahrscheinlich ausfallen wird, bevor es passiert.
  • Prozessoptimierung in Echtzeit: KI-gestützte Regelungssysteme passen Prozessparameter kontinuierlich an veränderte Bedingungen an, zum Beispiel Rohstoffqualitäten, Umgebungstemperaturen oder Auftragssituationen.
  • Energiemanagement: Algorithmen simulieren verschiedene Betriebsszenarien und berechnen, wie Anlagen kosten- oder emissionseffizient betrieben werden können. Solche Systeme aktualisieren ihre Berechnungen in kurzen Intervallen, um stets auf aktuelle Messwerte wie Wetterdaten oder Produktionsmengen zu reagieren.
  • Qualitätssicherung: Bildverarbeitungssysteme und statistische Modelle erkennen Qualitätsabweichungen früher und zuverlässiger als manuelle Kontrollen.

Wichtig ist dabei: KI ist kein Selbstzweck. Sie entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn die Datenbasis sauber, vollständig und gut strukturiert ist. Ohne eine solide Dateninfrastruktur liefert auch der beste Algorithmus keine verwertbaren Ergebnisse.

Wann lohnt sich die Investition in ein Produktionsdaten-Management-System?

Die Investition in ein Produktionsdaten-Management-System lohnt sich, sobald ein Betrieb regelmäßig mit ungeplanten Stillständen, unklaren Energiekosten, schwer nachvollziehbaren Qualitätsproblemen oder mangelnder Transparenz über Prozessabläufe kämpft. Je mehr Daten bereits vorhanden, aber ungenutzt sind, desto schneller amortisiert sich ein solches System.

Folgende Indikatoren sprechen für eine Investition:

  • Entscheidungen werden regelmäßig auf Basis von Erfahrungswerten statt auf Basis von Daten getroffen
  • Energiekosten sind hoch, aber die Ursachen sind unklar
  • Wartungsintervalle sind starr und nicht zustandsbasiert
  • Qualitätsprobleme tauchen wiederholt auf, ohne dass die Ursache systematisch analysiert wird
  • Verschiedene Abteilungen arbeiten mit unterschiedlichen Datenständen und kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen

Der Einstieg muss nicht groß sein. Viele Betriebe beginnen mit einem klar abgegrenzten Bereich, zum Beispiel der Energieüberwachung einer einzelnen Produktionslinie, und erweitern das System schrittweise. Entscheidend ist, dass das System von Anfang an auf Erweiterbarkeit ausgelegt ist und sich in bestehende Strukturen integrieren lässt.

Wie manageE bei der Nutzung von Produktionsdaten unterstützt

Wir bei manageE begleiten mittelständische Unternehmen dabei, ihre vorhandenen Produktionsdaten systematisch nutzbar zu machen. Unser Ansatz verbindet Prozessoptimierung, Energieeffizienz und Automatisierung zu einem ganzheitlichen Bild, das über einzelne Kennzahlen hinausgeht.

Konkret unterstützen wir Sie in folgenden Bereichen:

  • Datenerfassung und Messtechnik: Wir setzen eigene, beim BAFA als förderfähig gelistete Messtechnik ein, die Prozess- und Energiedaten einfach und kostengünstig erfassbar macht.
  • Prädiktive Regelung: Unser System modelliert Anlagen und Gebäude, simuliert Betriebsszenarien und optimiert Energieflüsse automatisch, aktualisiert alle 15 Minuten mit aktuellen Messwerten wie Wetterdaten oder Produktionsmengen.
  • Integration bestehender Systeme: Wir verbinden vorhandene Steuerungen und Datenquellen, ohne dass Anlagen ersetzt werden müssen.
  • Ganzheitliche Begleitung: Von der ersten Bestandsaufnahme über die Konzeption bis zur vollständigen Umsetzung begleiten wir jeden Schritt.

Wenn Sie wissen möchten, welche Potenziale in Ihren Produktionsdaten stecken, stehen wir Ihnen gerne für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.

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