Warum steigen Energiekosten auch wenn der Verbrauch gleich bleibt?

Lisa Pauli ·
Energiezähler mit steigender Zeigernadel neben Stromrechnungen auf weißer Fläche, natürliches Seitenlicht, flache Tiefenschärfe.

Energiekosten steigen auch bei gleichem Verbrauch, weil ein Großteil der Stromrechnung aus verbrauchsunabhängigen Kostenbestandteilen besteht. Netzentgelte, staatliche Abgaben und der Leistungspreis werden nicht nach dem tatsächlichen Verbrauch berechnet, sondern nach politischen Entscheidungen, Netzausbaukosten und dem maximalen Leistungsbedarf eines Unternehmens. Besonders für mittelständische Unternehmen ist dieses Zusammenspiel oft intransparent. Die folgenden Abschnitte erklären, welche Kostenblöcke Ihre Energierechnung tatsächlich treiben und wie Sie gezielt gegensteuern können.

Welche Kostenbestandteile stecken in einer Energierechnung?

Eine Energierechnung setzt sich aus mehreren unabhängigen Kostenblöcken zusammen: dem reinen Energiepreis (Arbeitspreis), dem Leistungspreis, den Netzentgelten, staatlichen Steuern und Abgaben sowie Messstellenentgelten. Nur ein Teil davon hängt direkt vom tatsächlichen Verbrauch ab. Die übrigen Bestandteile fallen unabhängig davon an, wie viel Strom ein Unternehmen tatsächlich bezieht.

Im Einzelnen setzt sich eine typische Gewerbe- oder Industriestromrechnung aus diesen Positionen zusammen:

  • Arbeitspreis: Der verbrauchsabhängige Anteil, gemessen in Cent pro Kilowattstunde (kWh). Dieser Anteil spiegelt den eigentlichen Energieeinkauf wider.
  • Leistungspreis: Ein fixer oder teilfixer Betrag, der sich nach der maximalen Leistungsabnahme (Spitzenlast) richtet, gemessen in Euro pro Kilowatt (kW).
  • Netzentgelte: Kosten für die Nutzung des Stromnetzes, die vom Netzbetreiber festgelegt und von der Bundesnetzagentur reguliert werden.
  • Stromsteuer: Eine bundeseinheitliche Steuer auf den Stromverbrauch.
  • Konzessionsabgabe: Eine Abgabe, die Netzbetreiber an Kommunen für die Nutzung öffentlicher Wege zahlen und an Verbraucher weitergeben.
  • Messstellenentgelt: Kosten für den Betrieb und die Wartung des Stromzählers.

Für viele mittelständische Unternehmen macht der reine Arbeitspreis oft weniger als die Hälfte der Gesamtrechnung aus. Das bedeutet: Selbst wenn der Energieeinkaufspreis stabil bleibt oder sogar sinkt, können die Gesamtkosten steigen, weil sich andere Positionen erhöhen.

Warum steigen Netzentgelte auch ohne Mehrverbrauch?

Netzentgelte steigen, weil sie nicht den individuellen Verbrauch eines Unternehmens widerspiegeln, sondern die Gesamtkosten des Netzbetriebs auf alle Nutzer umlegen. Der Ausbau der Übertragungsnetze für erneuerbare Energien, steigende Investitionen in die Netzstabilität und regulatorische Anpassungen durch die Bundesnetzagentur führen dazu, dass diese Kosten regelmäßig angepasst werden, unabhängig davon, ob ein einzelnes Unternehmen mehr oder weniger Strom verbraucht.

Konkret gibt es mehrere Treiber hinter steigenden Netzentgelten:

  • Netzausbau für die Energiewende: Der Ausbau von Hochspannungsleitungen und die Integration von Wind- und Solarstrom erfordern massive Investitionen, die auf alle Netznutzer verteilt werden.
  • Redispatch-Kosten: Wenn das Netz überlastet ist, müssen Kraftwerke gezielt hoch- oder heruntergeregelt werden. Diese Kosten werden ebenfalls über die Netzentgelte finanziert.
  • Sinkende Netznutzung durch Eigenversorgung: Wenn mehr Unternehmen und Haushalte Strom selbst erzeugen und weniger aus dem Netz beziehen, verteilen sich die Fixkosten des Netzes auf weniger Kilowattstunden, was den Preis pro kWh erhöht.
  • Regulatorische Anpassungen: Die Bundesnetzagentur legt die zulässigen Netzentgelte in mehrjährigen Regulierungsperioden fest. Änderungen in diesen Perioden können zu spürbaren Sprüngen führen.

Für Unternehmen bedeutet das: Netzentgelte sind ein struktureller Kostentreiber, der sich dem direkten Einfluss des einzelnen Verbrauchers weitgehend entzieht. Dennoch gibt es Möglichkeiten, durch gezieltes Lastmanagement die netzentgeltrelevante Spitzenlast zu senken.

Wie beeinflussen staatliche Abgaben und Umlagen die Energiekosten?

Staatliche Abgaben und Umlagen erhöhen die Energiekosten durch politisch festgelegte Aufschläge, die unabhängig vom Marktpreis erhoben werden. Dazu gehören die Stromsteuer, die Konzessionsabgabe sowie verschiedene Umlagen, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Diese Bestandteile können sich von Jahr zu Jahr ändern, wenn der Gesetzgeber neue Regelungen einführt oder bestehende anpasst.

Wichtig zu verstehen ist, dass diese Abgaben nicht mit dem Energieeinkaufspreis zusammenhängen. Selbst wenn die Großhandelspreise für Strom fallen, können steigende staatliche Abgaben die Gesamtrechnung nach oben treiben. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass politische Entscheidungen wie die Einführung neuer Fördermechanismen oder die Anpassung bestehender Umlagen erhebliche Auswirkungen auf die Energiekosten im Mittelstand haben können.

Für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch gibt es gesetzlich verankerte Entlastungsmöglichkeiten, etwa Befreiungen oder Ermäßigungen bei bestimmten Abgaben. Diese setzen jedoch in der Regel voraus, dass ein zertifiziertes Energiemanagementsystem oder ein Energieaudit nachgewiesen werden kann.

Was ist der Unterschied zwischen Arbeits- und Leistungspreis?

Der Arbeitspreis ist der verbrauchsabhängige Teil der Stromrechnung und wird pro verbrauchter Kilowattstunde berechnet. Der Leistungspreis hingegen richtet sich nach der maximalen Leistungsabnahme eines Unternehmens innerhalb eines Abrechnungszeitraums und fällt unabhängig davon an, wie lange oder wie oft diese Spitzenlast tatsächlich erreicht wird.

Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Wenn eine Produktionsanlage kurzzeitig eine hohe Leistung abruft, etwa beim gleichzeitigen Anlaufen mehrerer Maschinen, wird dieser Spitzenwert als Grundlage für den Leistungspreis herangezogen. Auch wenn dieser Spitzenwert nur wenige Minuten im Monat auftritt, bestimmt er den Leistungspreis für den gesamten Abrechnungszeitraum.

Warum ist der Leistungspreis für Unternehmen besonders relevant?

Für gewerbliche und industrielle Abnehmer mit Leistungsmessung macht der Leistungspreis oft einen erheblichen Teil der Gesamtrechnung aus. Unternehmen, die ihre Spitzenlast nicht aktiv steuern, zahlen dauerhaft mehr, obwohl ihr Gesamtverbrauch unverändert bleibt.

Wie entsteht eine unnötig hohe Spitzenlast?

Spitzenlasten entstehen häufig durch unkoordinierte Einschaltvorgänge, fehlende Steuerungslogik oder veraltete Anlagentechnik. Wenn mehrere energieintensive Verbraucher gleichzeitig anlaufen, ohne dass eine Laststeuerung eingreift, entsteht ein kurzer, aber kostspieliger Leistungspeak. Diesen gezielt zu vermeiden, ist eine der wirksamsten Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten ohne Verbrauchsreduktion.

Wie kann ein Unternehmen steigende Energiekosten trotz gleichem Verbrauch reduzieren?

Unternehmen können steigende Energiekosten trotz gleichem Verbrauch reduzieren, indem sie gezielt an den verbrauchsunabhängigen Kostenbestandteilen ansetzen: Spitzenlastreduzierung, optimierte Energiebeschaffung und transparente Verbrauchserfassung sind die drei wirksamsten Hebel. Keiner dieser Ansätze erfordert zwingend eine Reduzierung des Gesamtverbrauchs.

Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:

  1. Spitzenlastmanagement: Durch die zeitliche Verschiebung energieintensiver Prozesse lässt sich die maximale Leistungsabnahme senken. Das reduziert direkt den Leistungspreis und kann die Netzentgelte beeinflussen.
  2. Transparenz durch Messtechnik: Ohne genaue Messdaten ist keine gezielte Optimierung möglich. Eine strukturierte Erfassung von Verbrauchsdaten auf Anlagen- und Prozessebene zeigt, wo Einsparpotenziale liegen.
  3. Prädiktive Steuerung: Durch vorausschauende, modellbasierte Regelung lassen sich Energieflüsse so steuern, dass Spitzenlasten vermieden und Energiequellen wirtschaftlich eingesetzt werden. Algorithmen simulieren dabei verschiedene Szenarien und berechnen den kosten- oder emissionseffizientesten Betrieb.
  4. Optimierte Energiebeschaffung: Langfristige Lieferverträge, Direktbeschaffung am Großhandelsmarkt oder die Nutzung von Preiszonen können den Arbeitspreis stabilisieren.
  5. Prüfung von Entlastungsmöglichkeiten: Unternehmen sollten regelmäßig prüfen, ob sie Anspruch auf Ermäßigungen bei staatlichen Abgaben haben, etwa durch ein zertifiziertes Energiemanagementsystem.

Der gemeinsame Nenner aller Maßnahmen ist Prozesstransparenz. Wer nicht weiß, wann welche Anlage wie viel Leistung abruft, kann weder Spitzenlasten steuern noch Einsparpotenziale identifizieren. Energiekosten sind dabei oft der Auslöser, aber die eigentliche Chance liegt in der ganzheitlichen Optimierung von Prozessen und Abläufen.

Wie manageE bei steigenden Energiekosten unterstützt

Wir bei manageE setzen genau dort an, wo die Ursachen steigender Energiekosten liegen: bei fehlender Transparenz, unkontrollierten Spitzenlasten und nicht genutzten Optimierungspotenzialen in Prozessen und Anlagen. Unser Ansatz verbindet eigene Messtechnik mit prädiktiver Regelung, um Energieflüsse in Echtzeit zu erfassen und vorausschauend zu steuern.

  • Eigene Messtechnik: Wir haben Messtechnik entwickelt, die Prozess- und Energiemanagement einfach und wirtschaftlich umsetzbar macht. Die Technik ist beim BAFA als förderfähig gelistet.
  • Prädiktive Regelung: Unser Algorithmus simuliert alle 15 Minuten verschiedene Szenarien auf Basis aktueller Messwerte wie Wetterdaten oder Produktionsmengen und berechnet den kosten-, energie- oder emissionseffizientesten Betrieb Ihrer Anlagen.
  • Spitzenlastreduzierung: Durch gezielte Steuerung von Energiequellen und -senken helfen wir Ihnen, Leistungspeaks zu vermeiden und damit den Leistungspreis dauerhaft zu senken.
  • Ganzheitliche Begleitung: Von der ersten Analyse über die Konzepterstellung bis zur vollständigen Umsetzung begleiten wir Sie in jedem Schritt.

Wenn Sie wissen möchten, welche Einsparpotenziale in Ihrem Unternehmen konkret vorhanden sind, stehen wir Ihnen gerne für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.

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