Wie lässt sich Energiedatenerfassung in der Logistikbranche einsetzen?

Lisa Pauli ·
Energiezähler an weißer Wand neben modernem Lagerregal, mintgrüne und hellgraue Töne mit Bernsteinakzent, diffuses Tageslicht.

Energiedatenerfassung lässt sich in der Logistikbranche einsetzen, um den Stromverbrauch einzelner Anlagen, Fahrzeuge, Fördersysteme und Gebäudebereiche sichtbar zu machen und gezielt zu optimieren. Logistikbetriebe haben oft hohe, aber schlecht aufgeschlüsselte Energiekosten, weil Gesamtverbräuche bekannt sind, die Verursacher jedoch nicht. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Technik, Nutzen, Förderung und Integration.

Welche Energieverbraucher sind in der Logistik besonders relevant?

In Logistikbetrieben sind Beleuchtung, Fördertechnik, Ladeinfrastruktur für Flurförderzeuge, Heizungs- und Klimaanlagen sowie Torantriebe die größten Energieverbraucher. Diese Bereiche laufen oft rund um die Uhr oder in langen Schichten und erzeugen gemeinsam einen erheblichen Energiebedarf, der auf der Stromrechnung als Gesamtgröße erscheint, aber selten verursachergenau aufgeschlüsselt wird.

Besonders relevant sind dabei folgende Verbrauchergruppen:

  • Beleuchtung in Lagerhallen: Großflächige Hallenbeleuchtung läuft häufig auch dann, wenn Bereiche nicht genutzt werden.
  • Förderbänder und Sortiersysteme: Diese laufen oft im Dauerbetrieb, auch bei geringer Auslastung.
  • Ladeinfrastruktur für Elektrostapler und Flurförderzeuge: Unkontrolliertes Laden außerhalb günstiger Tarifzeiten treibt Kosten unnötig in die Höhe.
  • Klimatisierung und Kühlung: Besonders in temperaturgeführten Lagern ein dominanter Kostenfaktor.
  • Torantriebe und Schleusen: Häufig unterschätzt, aber bei hoher Frequenz energetisch relevant.
  • Büro- und Sozialbereiche: Oft mit veralteter Technik ausgestattet und selten separat gemessen.

Das Problem: Solange diese Verbraucher nicht einzeln gemessen werden, bleibt unklar, welcher Bereich wann wie viel Strom benötigt. Erst durch eine differenzierte Messung werden Muster sichtbar, die eine gezielte Optimierung ermöglichen.

Wie funktioniert die Energiedatenerfassung in Logistikbetrieben technisch?

Energiedatenerfassung in Logistikbetrieben funktioniert durch den Einsatz von Stromsensoren, die direkt an Kabeln oder Verteilern angebracht werden, Messwerte sekundengenau erfassen und diese in einer lokalen Datenbank speichern. Die Daten werden über ein Webportal visualisiert und können für Analysen exportiert werden, ohne dass Anlagen abgeschaltet oder umgebaut werden müssen.

Sensorik und Messung im laufenden Betrieb

Moderne Messsysteme nutzen flexible Rogowski-Spulen oder Klappstromwandler, die berührungslos um einzelne Kabel gelegt werden. Sie erfassen Strom, Spannung, Wirkleistung, Blindleistung und Frequenz, ohne dass die gemessene Anlage abgeschaltet werden muss. Das ist für Logistikbetriebe mit Schicht- oder Dauerbetrieb besonders wichtig, weil Unterbrechungen direkte Auswirkungen auf den Ablauf haben.

Datenspeicherung und Auswertung

Die erfassten Messwerte werden mit Zeitstempel gespeichert, sodass Verbrauchsverläufe nachvollziehbar bleiben. Über ein lokales Webportal lassen sich Live-Daten, Trendverläufe und Dashboards im Browser abrufen, ohne Cloud-Abhängigkeit. Messkanäle können nach Anlage oder Bereich benannt werden, zum Beispiel „Ladestation Halle 3“ oder „Förderband Eingang“, was die Zuordnung der Daten erheblich erleichtert. Für längere Auswertungszeiträume stehen Grafana-Dashboards zur Verfügung, die Energie und Leistung für beliebige Zeiträume darstellen. Daten lassen sich außerdem als CSV-Datei exportieren und weiterverarbeiten.

Was sind die konkreten Vorteile der Energiedatenerfassung für Logistikunternehmen?

Energiedatenerfassung bringt Logistikunternehmen vor allem Transparenz über Verbrauchsmuster, die Möglichkeit zur Identifikation von Einsparpotenzialen und eine belastbare Datenbasis für Investitionsentscheidungen. Der direkte Nutzen liegt nicht allein in niedrigeren Energiekosten, sondern in besseren Entscheidungen auf Basis realer Betriebsdaten.

Konkret ergeben sich folgende Vorteile:

  • Grundlasten erkennen: Messungen zeigen, welche Anlagen auch außerhalb der Betriebszeiten Strom verbrauchen, zum Beispiel Lüftungen oder Ladegeräte im Standby.
  • Lastspitzen identifizieren: Gleichzeitiger Anlauf mehrerer Verbraucher erzeugt Lastspitzen, die den Netzentgeltanteil der Stromrechnung erhöhen. Wer diese kennt, kann sie gezielt entzerren.
  • Maßnahmen überprüfen: Wenn Optimierungsmaßnahmen umgesetzt werden, lässt sich deren Wirkung messtechnisch vor und nach der Umsetzung vergleichen.
  • Betriebszustände vergleichen: Parallele Messungen mehrerer Verbraucher im gleichen Zeitraum machen sichtbar, wie sich unterschiedliche Schichten, Auslastungsgrade oder Betriebsmodi auf den Verbrauch auswirken.
  • Investitionsentscheidungen absichern: Wer weiß, wie viel eine Anlage tatsächlich verbraucht, kann Amortisationszeiten für neue Technik realistisch berechnen.

Wichtig ist dabei: Messdaten allein führen nicht automatisch zu Einsparungen. Ihr Nutzen besteht darin, Transparenz zu schaffen und eine Grundlage bereitzustellen, auf der Auffälligkeiten untersucht und Maßnahmen priorisiert werden können. Tatsächliche Einsparungen entstehen erst durch die daraus abgeleiteten und umgesetzten Schritte.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Energiemesssysteme in der Logistik?

Für Energiemesssysteme in der Logistik gibt es in Deutschland Fördermöglichkeiten über das BAFA-Programm „Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“. Unternehmen können unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse für Energieaudits, Energiemanagementsysteme und förderfähige Messtechnik beantragen.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) listet förderfähige Produkte und Dienstleistungen in diesem Bereich. Logistikunternehmen, die ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 durchführen oder ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 einführen möchten, können dabei Zuschüsse von bis zu 45 Prozent des förderfähigen Investitionsvolumens erhalten. Das macht den Einstieg in eine systematische Energiedatenerfassung auch für mittelständische Betriebe wirtschaftlich attraktiv.

Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die KfW-Förderprogramme für Energieeffizienz in Unternehmen sowie auf Landesförderprogramme, die je nach Bundesland unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Für Logistikbetriebe, die ihre Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ausbauen, gibt es darüber hinaus spezifische Fördertöpfe auf Bundes- und Landesebene.

Grundsätzlich gilt: Förderanträge müssen vor Beginn der Maßnahme gestellt werden. Eine frühzeitige Prüfung der Förderfähigkeit ist daher sinnvoll, bevor Investitionsentscheidungen getroffen werden.

Wann lohnt sich die Einführung eines Energiedatenerfassungssystems in der Logistik?

Ein Energiedatenerfassungssystem lohnt sich in der Logistik dann, wenn der Energieverbrauch einen relevanten Kostenblock darstellt, die Verursacher aber nicht bekannt sind, oder wenn Optimierungsmaßnahmen geplant sind, deren Wirkung belegt werden soll. Für die meisten Logistikbetriebe ab einer gewissen Betriebsgröße ist das bereits der Fall.

Konkrete Situationen, in denen der Einstieg besonders sinnvoll ist:

  • Die Stromrechnung steigt, ohne dass eine klare Ursache erkennbar ist.
  • Ein Energieaudit steht an und es fehlen belastbare Verbrauchsdaten auf Anlagenebene.
  • Neue Anlagen oder Ladeinfrastruktur werden eingeführt und deren Verbrauch soll überwacht werden.
  • Schichtbetrieb oder saisonale Schwankungen machen es schwer, Verbräuche zu erklären.
  • Investitionen in neue Technik sollen auf Basis realer Verbrauchsdaten bewertet werden.
  • Nachhaltigkeitsziele oder CO2-Berichtspflichten erfordern eine differenzierte Datenbasis.

Für kleinere Betriebe oder für Standorte, bei denen zunächst Klarheit über die Ausgangssituation gewonnen werden soll, bieten sich mobile Messlösungen an. Diese können temporär eingesetzt werden, ohne eine dauerhafte Installation vorauszusetzen, und liefern trotzdem belastbare Daten für erste Analysen und Entscheidungen.

Wie lässt sich Energiedatenerfassung mit bestehenden Logistiksystemen integrieren?

Energiedatenerfassung lässt sich mit bestehenden Logistiksystemen integrieren, indem Messdaten über standardisierte Schnittstellen wie CSV-Export oder FTP an vorhandene Systeme übergeben werden. Eine vollständige Systemintegration ist dabei nicht zwingend erforderlich, um einen konkreten Nutzen zu erzielen.

Viele Logistikbetriebe nutzen Warehouse-Management-Systeme (WMS), ERP-Systeme oder eigene Betriebsdatenerfassungslösungen. Energiedaten können in diesen Kontext eingebettet werden, um Verbrauchswerte mit Produktions- oder Durchsatzdaten zu verknüpfen. Das ermöglicht Aussagen wie: „Bei dieser Auslastung verbraucht das Förderband X Kilowattstunden pro Palette“, was eine viel präzisere Grundlage für Optimierungen schafft als reine Gesamtverbräuche.

Technisch sind dabei folgende Integrationswege üblich:

  • CSV-Export und FTP: Messdaten werden in Standardformaten bereitgestellt und können in bestehende Auswertungstools oder Datenbanken importiert werden.
  • Lokale Datenhaltung: Systeme, die ohne Cloud-Anbindung lokal im Netzwerk laufen, lassen sich einfacher in bestehende IT-Strukturen einbinden und erfüllen gleichzeitig Datenschutzanforderungen.
  • WLAN- und Mobilfunkanbindung: Für Standorte mit verteilten Messpunkten oder wechselnden Einsatzorten ermöglicht eine Funkanbindung die flexible Datenübertragung ohne aufwendige Verkabelung.
  • API-Schnittstellen: Moderne Energiemanagementsysteme bieten Schnittstellen, über die Daten in übergeordnete Systeme übergeben werden können.

Wichtig ist, dass die Integration schrittweise erfolgen kann. Ein Logistikbetrieb muss nicht sofort alle Systeme verknüpfen. Oft reicht es, zunächst Transparenz auf Anlagenebene zu schaffen und die Daten parallel zum bestehenden Betrieb zu nutzen, bevor tiefere Integrationen umgesetzt werden.

Energiedatenerfassung in der Logistik: Wie manageE Sie dabei unterstützt

Wir begleiten Logistikunternehmen von der ersten Messung bis zur dauerhaften Prozessoptimierung. Unser Ansatz verbindet Messtechnik, Datenauswertung und Beratung so, dass Sie nicht nur Zahlen erhalten, sondern wissen, was diese bedeuten und was als Nächstes zu tun ist.

Mit unseren Energie- und Effizienzlösungen bieten wir speziell für mittelständische Betriebe:

  • Mobile Messlösungen wie den mE2go-Messkoffer, der im laufenden Betrieb eingesetzt wird und bis zu 26 dreiphasige Verbraucher gleichzeitig erfasst
  • Lokale Datenhaltung ohne Cloud, mit eigenem Webportal zur Auswertung direkt im Browser
  • Förderfähige Messtechnik, die beim BAFA im Rahmen des Programms Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft gelistet ist
  • Unterstützung bei Energieaudits nach DIN EN 16247-1 und bei der Vorbereitung auf ISO 50001
  • Prädiktive Regelung für eine vorausschauende Steuerung von Energieflüssen auf Basis von Echtzeitdaten

Wenn Sie wissen möchten, welche Lösung für Ihren Logistikstandort sinnvoll ist, stehen wir für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.

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