Die Produktionsplanung beeinflusst den Energieverbrauch direkt und erheblich: Wann welche Maschinen laufen, wie Aufträge gebündelt werden und wie Lastspitzen entstehen, bestimmt maßgeblich, wie viel Energie ein Fertigungsbetrieb verbraucht und was er dafür bezahlt. Für mittelständische Unternehmen ist dieser Zusammenhang oft unterschätzt, obwohl er einen der größten Hebel zur Kostensenkung darstellt. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Produktionsplanung und Energieverbrauch.
Welche Produktionsparameter treiben den Energieverbrauch am stärksten?
Die stärksten Treiber des Energieverbrauchs in der Produktion sind Maschinenlaufzeiten, Anlaufprozesse, Produktionsvolumen und die zeitliche Verteilung von Lasten. Besonders energieintensiv sind Anfahrvorgänge, Leerlaufbetrieb und parallele Inbetriebnahmen mehrerer Aggregate, da sie kurzzeitig sehr hohe Leistungen abrufen.
Im Detail lassen sich folgende Parameter identifizieren, die den Energieverbrauch in der Fertigung besonders stark beeinflussen:
- Maschinenstarts und Hochlaufphasen: Elektromotoren und Kompressoren benötigen beim Anlaufen ein Vielfaches ihrer Nennleistung. Häufige Starts erhöhen den Gesamtverbrauch spürbar.
- Leerlauf und Standby-Betrieb: Maschinen, die zwischen Aufträgen nicht abgeschaltet werden, verbrauchen kontinuierlich Energie, ohne produktiven Output zu erzeugen.
- Produktionsvolumen und Chargengrößen: Kleine, häufige Chargen sind in der Regel energieintensiver als größere, gebündelte Produktionsläufe, weil Rüst- und Aufwärmzeiten anteilig stärker ins Gewicht fallen.
- Temperaturhaltung und Prozesswärme: Öfen, Trockner und Wärmebehandlungsanlagen verbrauchen besonders viel Energie, wenn sie außerhalb optimaler Auslastungsfenster betrieben werden.
- Druckluft und Hydraulik: Leckageverluste und ineffiziente Druckniveaus sind häufig unterschätzte Verbrauchstreiber, die durch bessere Planung reduziert werden können.
Wer diese Parameter kennt und in der Produktionsplanung berücksichtigt, schafft die Grundlage für eine gezielte Reduktion der Energiekosten in der Fertigung.
Wie entstehen Lastspitzen durch ungünstige Produktionsplanung?
Lastspitzen entstehen, wenn mehrere energieintensive Maschinen oder Prozesse gleichzeitig anlaufen oder betrieben werden, ohne dass die zeitliche Verteilung koordiniert wurde. In der Praxis passiert das häufig beim Schichtbeginn, wenn Anlagen gesammelt hochgefahren werden, oder wenn Aufträge ohne Rücksicht auf die elektrische Last parallel eingeplant werden.
Für Unternehmen mit Leistungspreiskomponente im Stromtarif ist das besonders kostspielig: Der Netzbetreiber berechnet nicht nur den verbrauchten Strom, sondern auch die höchste gemessene Leistungsspitze im Abrechnungszeitraum. Eine einzige ungünstige Viertelstunde kann die Stromrechnung für den gesamten Monat erhöhen.
Typische Planungsfehler, die Lastspitzen verursachen:
- Gleichzeitiger Start aller Maschinen zu Schichtbeginn ohne zeitliche Staffelung
- Keine Berücksichtigung von Anlaufströmen bei der Auftragsreihenfolge
- Parallelbetrieb von Hochlastprozessen wie Schweißen, Pressen und Wärmebehandlung
- Fehlende Abstimmung zwischen Produktion und Gebäudetechnik, zum Beispiel Klimaanlage und Kompressor laufen gleichzeitig auf Volllast
Lastspitzen zu vermeiden ist damit nicht nur eine technische, sondern vor allem eine planerische Aufgabe.
Was ist der Unterschied zwischen energieoptimierter und kostenoptimierter Produktionsplanung?
Energieoptimierte Produktionsplanung zielt darauf ab, den absoluten Energieverbrauch zu minimieren, also so wenig Kilowattstunden wie möglich zu verbrauchen. Kostenoptimierte Planung hingegen berücksichtigt zusätzlich variable Strompreise, Netzentgelte und Leistungspreise, um die Energiekosten zu minimieren, auch wenn der Verbrauch dabei nicht zwingend am niedrigsten ist.
In der Praxis führen beide Ansätze zu unterschiedlichen Entscheidungen:
- Energieoptimiert: Maschinen laufen in der effizientesten Betriebsreihenfolge, Leerlauf wird vermieden, Chargen werden gebündelt. Das senkt den Verbrauch, aber nicht unbedingt die Rechnung.
- Kostenoptimiert: Energieintensive Prozesse werden in Zeiten günstiger Tarife oder niedriger Netzentgelte verschoben. Bei dynamischen Strompreisen kann das bedeuten, nachts oder am Wochenende zu produzieren, selbst wenn das organisatorisch aufwendiger ist.
Für die meisten mittelständischen Fertigungsbetriebe ist eine Kombination beider Ansätze sinnvoll: Verbrauch reduzieren und gleichzeitig die verbleibende Last in günstige Zeitfenster verschieben. Welcher Ansatz überwiegt, hängt vom Stromtarif, der Produktionsflexibilität und den betrieblichen Rahmenbedingungen ab.
Wie kann prädiktive Planung den Energieverbrauch in der Fertigung senken?
Prädiktive Planung senkt den Energieverbrauch in der Fertigung, indem sie zukünftige Produktionslasten, Energiepreise und externe Faktoren wie Wetterdaten im Voraus berechnet und die Steuerung von Maschinen und Anlagen entsprechend anpasst, bevor Lastspitzen oder ineffiziente Betriebszustände entstehen.
Der Unterschied zur reaktiven Steuerung ist grundlegend: Statt auf Verbrauchsspitzen zu reagieren, wenn sie bereits eingetreten sind, simuliert ein prädiktives System verschiedene Szenarien und wählt den energetisch oder kostenmäßig günstigsten Betriebsweg. Dabei fließen Echtzeitdaten wie aktuelle Produktionsmengen, Wetterdaten und Tarifinformationen kontinuierlich in die Berechnung ein.
Ein solches System aktualisiert seine Simulation in kurzen Intervallen, zum Beispiel alle 15 Minuten, und übermittelt die berechneten Steuerbefehle direkt an die Gebäudetechnik oder Produktionsanlagen. Das ermöglicht eine flexible, automatische Anpassung an veränderte Bedingungen, ohne dass Mitarbeiter manuell eingreifen müssen.
Konkrete Hebel der prädiktiven Planung in der Fertigung:
- Vorausschauendes Verschieben energieintensiver Prozesse in günstige Zeitfenster
- Automatische Anpassung von Heizung, Kühlung und Druckluft an den geplanten Produktionstakt
- Vermeidung von Lastspitzen durch koordinierten Maschinenhochlauf
- Optimierung des Eigenverbrauchs bei vorhandener Photovoltaik oder Energiespeichern
Welche Daten braucht man, um Produktionsplanung und Energiemanagement zu verknüpfen?
Um Produktionsplanung und Energiemanagement sinnvoll zu verknüpfen, braucht man maschinenspezifische Verbrauchsdaten, Produktionsaufträge mit Zeitplanung, Tarifinformationen des Energieversorgers sowie Messwerte aus der Gebäude- und Anlagentechnik. Ohne diese Datenbasis bleibt die Optimierung auf Schätzungen angewiesen.
In der Praxis fehlen diese Daten in vielen Betrieben nicht, sie sind nur nicht zusammengeführt. Produktionsdaten liegen im ERP-System, Energiedaten im Zähler oder Energiemanagementsystem, Gebäudedaten in der Gebäudeleittechnik. Die Verknüpfung dieser Quellen ist der erste und wichtigste Schritt.
Folgende Datenkategorien sind für eine integrierte Planung relevant:
- Maschinendaten: Leistungsaufnahme je Betriebszustand, Anlaufströme, Betriebsstunden
- Produktionsdaten: Auftragsreihenfolge, Chargengrößen, geplante Laufzeiten
- Energietarifdaten: Leistungspreise, Zeitzonentarife, dynamische Preissignale
- Gebäude- und Anlagendaten: Heizung, Kühlung, Druckluft, Beleuchtung
- Externe Daten: Wetterdaten für Heiz- und Kühlbedarf, Netzfrequenz bei Direktvermarktung
Je vollständiger und granularer diese Daten vorliegen, desto präziser lassen sich Produktionsprozesse und Energieverbrauch gemeinsam optimieren. Messtechnik, die diese Daten automatisch erfasst und bereitstellt, ist dabei keine Kür, sondern eine praktische Voraussetzung.
Wann lohnt sich die Investition in eine energiebewusste Produktionsplanung?
Die Investition in eine energiebewusste Produktionsplanung lohnt sich, sobald Energiekosten einen relevanten Anteil an den Betriebskosten ausmachen, Lastspitzen regelmäßig auftreten oder die Produktion flexibel genug ist, um Prozesse zeitlich zu verschieben. Für die meisten produzierenden Mittelständler ist das bereits ab einem jährlichen Stromverbrauch von einigen hunderttausend Kilowattstunden der Fall.
Neben den direkten Einsparungen bei Energiekosten sprechen weitere Faktoren für eine frühe Investition:
- Steigende Energiepreise: Je höher die Energiekosten, desto schneller amortisiert sich eine Optimierungsmaßnahme.
- Regulatorische Anforderungen: Unternehmen ab einer bestimmten Größe sind zur Einführung eines Energiemanagementsystems verpflichtet. Eine integrierte Lösung erfüllt diese Anforderungen und schafft gleichzeitig operativen Mehrwert.
- Wettbewerbsdruck: Kunden und Lieferanten fragen zunehmend nach CO2-Bilanzen und Nachhaltigkeitsnachweisen. Wer seinen Energieverbrauch kennt und steuert, kann diese Anforderungen belastbar beantworten.
- Fördermöglichkeiten: Investitionen in Energieeffizienz und Messtechnik können über Förderprogramme des Bundes unterstützt werden. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) listet förderfähige Technologien im Rahmen des Programms Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft.
Wer die Investition aufschiebt, zahlt die Differenz in Form unnötig hoher Energierechnungen weiter. Eine strukturierte Analyse des eigenen Verbrauchs ist daher ein sinnvoller erster Schritt, bevor größere Investitionsentscheidungen getroffen werden.
Wie manageE bei der Verknüpfung von Produktionsplanung und Energiemanagement unterstützt
Wir verbinden technisches Know-how in der Prozessautomation mit konkreten Lösungen für Energieeffizienz und Produktionsoptimierung. Unser Ansatz geht dabei über reine Energieberatung hinaus: Wir begleiten Sie von der Analyse bestehender Prozesse über die Auswahl geeigneter Messtechnik bis zur vollständigen Umsetzung einer integrierten Lösung.
Unsere Energie- und Effizienzlösungen umfassen unter anderem:
- Prädiktive Regelung, die Produktionsmengen, Wetterdaten und Tarifinformationen in Echtzeit verarbeitet und alle 15 Minuten aktualisiert
- Eigene Messtechnik zur Erfassung von Prozess- und Energiedaten, die beim BAFA als förderfähig gelistet ist
- Modulare Modellierung von Gebäuden und Anlagen, um Energieflüsse gezielt zu steuern
- Verknüpfung von Produktions-, Gebäude- und Energiedaten zu einem transparenten Gesamtbild
- Begleitung von der ersten Beratung bis zur betriebsbereiten Umsetzung
Wenn Sie wissen möchten, welche Potenziale in Ihrer Produktion stecken, sprechen Sie uns an. Ein Beratungsgespräch hilft Ihnen, den nächsten konkreten Schritt zu identifizieren.
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